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Kaffeehäuser bzw. Cafés sind im Trend. Vor allem trendige Hipstar-Locations, Spezialitätenkaffee und viele mehr. Aber woher kommt die Idee, dass man sich an einem Ort trifft um für ein Getränk zu bezahlen? Erfahre hier die Geschichte der Kaffeehäuser – mit einzigartigen Literaturhinweisen.

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Was sind Kaffeehäuser und welche Bedeutung haben Sie für Menschliche Gesellschaften

Kaffeehäuser waren schon immer die Orte, an denen Menschen zusammenkamen, um Ideen und Neuigkeiten zu diskutieren. Sie wurden oft von Intellektuellen, Schriftstellern, Dichtern und Geschäftsleuten besucht.

Kaffeehäuser entstanden in gesellschaftlichen Atmosphären, wo der intellektuelle Austausch als ein Mehrwert betrachtet wurde. Sie spielten jahrhundertelang eine wichtige Rolle. Sie wurden zu Treffpunkten, an denen sich Menschen treffen konnten, um ihre Gedanken und Ideen über die Welt auszutauschen. Seit dem 16. Jahrhundert gehören Kaffeehäuser zu der Geschichte der Menschheit.

Anfangs wurde Kaffee nur als Getränk konsumiert. Im Laufe der Zeit entwickelten sich die meisten Cafés zu kleinen Restaurants mit leichten Speisen, Kuchen und Gebäck im Angebot. Bis heute hat sich diese Kultur erhalten und Kaffeehäuser sind ein wichtiger Teil der Menschheitsgeschichte geworden.

WIE Kaffehäuser ENTSTANDEN sind und welche Beweise es dafür gibt

Laut Âlî Mustafa Efendi, einem der Historiker dieser Zeit, entstanden im Jahre 1553 die ersten Kaffeehäuser in Istanbul. Der osmanische Historiker Ibrahim aus Pécs (geboren 1574 in Ungarn) schreibt, dass die ersten Kaffeehäuser im Jahre 962 nach Hidschra (islamische Zeitrechnung) also 1554-1555 n. Chr. in Tahtakale, Istanbul eröffnet wurden. Die Gründer der ersten Kaffees waren ein Händler aus Aleppo namens Hakem und eine Person namens Shams aus Damaskus. So stieg in kurzer Zeit die Zahl der Kaffeehäuser, die in das Istanbuler Stadtleben eintraten.

In diesen Kaffeehäusern versammelten sich Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen um Kaffee zu trinken und zu plaudern. Es entstand ein neuer sozialer und öffentlichen Raum.

Das Gemälde von Amedeo Preziosi ist eine beispielshafte Darstellung der ersten osmanischen Kaffeehäuser aus dem 16. Jahrhundert.
Das Werk aus dem Jahr 1858 von Amedeo Preziosi (Maltesischer Maler gest. 1882) stellt beispielshaft einen osmanischen Kaffeehaus aus dem 16. Jhd.

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Kaffeehäuser bedienen mehrere gesellschaftliche Bedürfnisse

Kaffeehäuser verbreiteten sich sehr schnell. Es wird überliefert, dass es in Istanbul während der letzten Periode von Süleyman dem Prächtigen fünfzig Kaffeehäuser gab. Nach den im Jahr 1792 erstellten Büchern war die Zahl der Kaffeehäuser auf 1631 gestiegen und im Jahre 1821 gab es schon mehr als 2076 Kaffeehäuser in Istanbul.

Das Kaffeehaus galt zunächst als extreme Innovation, wurde jedoch sehr schnell zum Standard. Diese Häuser konnten sich etablieren, weil zugleich mehrere gesellschaftliche Bedürfnisse erfüllten:

  • wirtschaftliche Bedürfnisse,
  • soziale Bedürfnisse,
  • kulturelle Bedürfnisse und
  • politische Bedürfnisse.

Die politische Relevanz von Kaffeehäusern

Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts n. Chr. gewannen die Kaffeehäuser, in denen sich die Menschen versammelten, eine gesellschaftliche Bedeutung und zogen die Aufmerksamkeit der politischen Macht auf sich. Sie wurden vermehrt als Hauptorte der Unruhen und politischen Opposition wahrgenommen.

Die Kaffeehäuser verloren ihren guten Ruf und wurden immer mehr als Orte angesehen, an dem sich Klatsch und Gerüchte verbreiteten. Die politische Autorität griff auch zum Verbot von Kaffeehäusern, die sie als Bedrohung der bestehenden Ordnung betrachtete.

In der Anfangszeit bestand die Haltung der osmanischen Regierung gegenüber Kaffeehäusern darin, sie vollständig zu verbieten und zu schließen.

Die Kaffeehauskultur verbreitete sich nicht nur in Istanbul, sondern im ganzen osmanischen Herrschaftsgebiet – sogar in den Dörfern. Vor allem in Stadtvierteln und Dörfern stach das Kaffeehaus als Haupttreffpunkt hervor. Diese waren zu Gesprächs- und Erholungsorten geworden, wo kleine Spiele gespielt wurden.

Kaffeehaus-Kategorien: so wurden die Kaffeehäuser unterschieden

Ein amerikanisches Forschungsteam führte im Jahre 1922 eine Untersuchung bezüglich der Kaffeehaus-Kultur in Istanbul durch und stellt fest, dass es in Istanbul mehrere tausend Kaffeehäuser gab. Das Team unterteilte die Kaffeehäuser in sieben Kategorien:

  1. Wirtshauskaffeehäuser,
  2. Kaffeehäuser in der Nähe von Moscheen,
  3. Kaffeehäuser, 
  4. Nachbarschaftskaffeehäuser, 
  5. Handwerkerkaffeehäuser,
  6. Kaffeehäuser von Restaurants und
  7. Dorfkaffeehäuser.

Kaffeehauskultur und ihre Bedeutung für die heutiige Zeit

Im Laufe der Jahre haben Kaffeehäuser ihr Angebot erweitert. Es sind sehr viele Getränkesorten hinzugekommen. Aber ein wichtige Eigenschaft hat sich nicht geändert: Kaffeehäuser sind immer noch Orte der sozialen Begegnung, politischen Interaktion und intellektuellem Austausch.

Literaturangaben

Mehmet Genç, “Contrôle et taxation du commerce du café dans l’Empire ottoman fin XVIIe-premiére moitié du XVIIIe siècle”, le commerce du café avant l’êre des plantations coloniales: espaces, réseaux, sociétés (XVe-XIXe siècle) (ed. M. Tuncscherer), Le Caire 2001, s. 161-179

Âlî Mustafa Efendi, Mevâidü’n-nefâis fî kavâidi’l-mecâlis (haz. Mehmet Şeker), Ankara 1997, s. 363

Peçuylu İbrâhim, Târih, I, 363-364; Kâtib Çelebi, Cihannümâ, s. 534-535