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Was ist Ton?

Veröffentlicht am: 03.15.2022
Roher Ton, Tonschlicker in einer Schale und eine gebrannte Scherbe auf einem Holzbrett

Ton steckt in Tassen, Ziegeln, Fliesen und Blumentöpfen. Trotzdem ist nicht ganz einfach zu sagen, was er ist, denn das Wort hat zwei Bedeutungen. Hier liest du, welche das sind, woraus Ton besteht, warum er mit Wasser formbar wird und was im Ofen mit ihm passiert.

Die Bilder in diesem Beitrag wurden mit KI erstellt.

Zwei Bedeutungen: Korngröße und Gestein

In der Bodenkunde und im Bauwesen ist Ton eine Korngrößenklasse. Dazu zählen alle Teilchen, die kleiner als 0,002 mm sind, also kleiner als 2 Mikrometer. Größer sind Schluff und Sand. Diese Grenzen stehen in der Norm DIN EN ISO 14688-1 und genauso in der Bodenkundlichen Kartieranleitung, wie das Bayerische Landesamt für Umwelt erklärt.

In der Geologie heißt Ton außerdem ein Gestein: ein lockeres, feinkörniges Sedimentgestein, in dem blättchenförmige Tonminerale überwiegen (Spektrum Lexikon der Geowissenschaften). Beide Bedeutungen decken sich meistens, aber nicht immer. Einzelne Tonminerale können größer als 2 Mikrometer sein, Kaolinit bis etwa 20 Mikrometer.

Woraus Ton besteht

Tonminerale sind Schichtsilikate. Sie sind aus hauchdünnen Schichten aufgebaut, die wie Blätter übereinander liegen (Spektrum). Die drei wichtigsten:

  • Kaolinit ist ein Zweischichtmineral. Hier liegt immer eine dünne Schicht auf einer zweiten, und dazwischen ist kein Platz für Wasser.
  • Illit ist ein Dreischichtmineral. Zwischen seinen Schichtpaketen sitzt Kalium, deshalb quillt Illit praktisch nicht (Spektrum).
  • Smektite wie Montmorillonit sind ebenfalls Dreischichtminerale. Sie lagern Wasser zwischen ihre Schichten ein und quellen stark. Bentonit, ein Ton aus Smektiten, kann das Zwei- bis Dreifache seines Gewichts an Wasser aufnehmen.
Makroaufnahme von feuchtem Ton mit Schnittkante
KI-generiertes Bild

Mit Wasser wird Ton formbar, weil sich das Wasser zwischen die Schichten einlagert oder die winzigen Teilchen als dünner Film umhüllt. Die Teilchen gleiten dann aufeinander, ohne auseinanderzufallen.

Ton, Schluff, Sand und Lehm

  • Sand: Körner von 0,063 bis 2 mm
  • Schluff: Teilchen von 0,002 bis 0,063 mm
  • Ton: Teilchen unter 0,002 mm
  • Lehm: ein Gemisch aus Sand, Schluff und Ton, in dem alle drei ähnlich stark vertreten sind. In der Bodenkunde ist Lehm eine eigene Bodenartengruppe (Spektrum).
Vier Schalen mit Ton, Schluff, Sand und Lehm
KI-generiertes Bild

Lehm steckt übrigens auch in unserem Namen.

Wie Ton entsteht: das Beispiel Westerwald

Ton entsteht, wenn Gestein verwittert und das feine Material abgelagert wird. Gut erforscht ist das im Westerwald. Dort verwitterten im Tertiär unter feuchtheißem Klima vor allem Tonschiefer chemisch. Flüsse lagerten das Material vor etwa 50 bis 25 Millionen Jahren in Becken ab. Die Vorkommen gehören zu den größten in Europa und werden für Steingut, Töpferware, feuerfeste Produkte und Schamotte genutzt, so das Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz. Laut Geopark Westerwald-Lahn-Taunus deckte später Basalt aus Vulkanausbrüchen viele Lager ab und schützte sie vor der Abtragung.

Tongrube mit Tonschichten in Grau und Beige
KI-generiertes Bild

Was beim Trocknen und Brennen passiert

Ton schwindet, wenn er trocknet, und noch einmal im Ofen. Beim Brennen kann er bis zu 20 Prozent kleiner werden (Spektrum).

Feuchtes und gebranntes Tonplättchen im Größenvergleich
KI-generiertes Bild

In Werkstätten kommt die Ware zuerst in den Schrühbrand, der meist bei etwa 900 bis 1000 °C endet. Danach ist der Scherben fest, aber noch porös, und nimmt die Glasur gut an (Unterrichtsmaterial von schule.at). Wie heiß der Glasurbrand ist, hängt von Masse und Glasur ab. Wird es heiß genug, sintert der Ton: Die Teilchen wachsen so eng zusammen, dass der Scherben dicht wird. Was das für Tassen bedeutet, erklärt unser Beitrag Ist Steinzeug oder Steingut besser für Tassen?.

Damit der Ton beim Schwinden nicht reißt, mischen Töpfer oft Schamotte unter. Das ist bereits gebrannter und gemahlener Ton. Er macht die Masse magerer und mindert die Schwindung (Spektrum).

Ist Ton gefährlich?

Tonmassen enthalten Quarz, laut DGUV oft 30 bis 40 Prozent. Solange der Ton feucht ist, staubt er nicht. Beim Schleifen oder beim trockenen Fegen getrockneter Reste entsteht aber feiner Staub. Wer ihn über Jahre einatmet, riskiert eine Silikose, eine chronische Lungenerkrankung, die nicht heilbar ist.

Die Berufsgenossenschaft VBG rät Töpfereien deshalb, Staub feucht aufzuwischen oder mit einem Staubsauger der Staubklasse M aufzunehmen. Besen und Druckluft sind ungeeignet. Das gilt auch, wenn du zu Hause töpferst.

Ob eine fertige Tasse Stoffe an Kaffee oder Tee abgibt, ist eine andere Frage. Dazu steht mehr im Beitrag zu Steinzeug und Steingut.

Wie der Mensch Ton über Jahrtausende genutzt hat, erzählt die Geschichte der Keramik. Tassen aus Ton findest du bei unseren handgemachten Keramiktassen.

Überarbeitet am 30.09.2026. In einer früheren Fassung stand, Ton sei „eigentlich eine physikalische Größe“ und Schamotte ein „chemischer Zusatzstoff“. Beides war ungenau und ist korrigiert.

Quellen