Entkoffeinierter Kaffee schmeckt nach Kaffee, enthält aber nur noch einen kleinen Rest Koffein. Hier liest du, wie das Koffein aus der Bohne kommt, wie viel drin bleiben darf, was die Lebensmittelüberwachung gefunden hat und was über das Lösungsmittel Dichlormethan bekannt ist.
Die Bilder in diesem Beitrag wurden mit KI erstellt.
Das Wichtigste in Kürze
- Entkoffeiniert wird der grüne Rohkaffee, vor dem Rösten.
- Röstkaffee darf in Deutschland nur „entkoffeiniert“ heißen, wenn er höchstens 1 g Koffein je Kilogramm Trockenmasse enthält.
- In einer Untersuchung des LGL Bayern lagen 3 von 326 Proben über diesem Wert.
- Für Dichlormethan gilt in der EU ein Höchstwert von 2 mg je Kilogramm geröstetem Kaffee.
Wie Kaffee entkoffeiniert wird
Laut Deutschem Kaffeeverband braucht es drei Stufen: Die Rohkaffeebohnen werden gedämpft, dann löst ein Mittel das Koffein heraus, danach werden sie getrocknet. Zugelassen sind Dichlormethan, Ethylacetat, Kohlendioxid und ein wässriger Kaffee-Extrakt, aus dem Aktivkohle das Koffein entfernt (Kaffeeverband).

| Verfahren | Wie es funktioniert |
|---|---|
| Dichlormethan | Das Lösungsmittel nimmt das Koffein auf und wird danach abgetrieben, es siedet bei etwa 40 °C. |
| Ethylacetat | Gilt als natürliches Verfahren, weil der Stoff auch in Obst und Gemüse vorkommt. |
| Kohlendioxid | Bei 70 °C und 162 bar wird CO2 überkritisch und löst das Koffein, ein Aktivkohlefilter hält es fest. |
| Wasser | Ein Extrakt aus Rohkaffee umspült die Bohnen, das Koffein wandert hinein und wird über Kohlefilter entfernt. |
Das CO2-Verfahren geht auf Kurt Zosel vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung zurück, der 1967 bemerkte, dass sich Koffein in überkritischem CO2 löst (Max-Planck-Gesellschaft). Das Wasserverfahren beschreibt ein Hersteller (Herstellerangabe). Welches Verfahren verwendet wurde, steht laut Verbraucherzentrale Bayern nur selten auf der Packung (Verbraucherzentrale Bayern).
Wie viel Koffein bleibt drin?
Normale Kaffeebohnen enthalten je nach Sorte meist 1,0 bis 2,5 % Koffein. Die deutsche Kaffeeverordnung erlaubt die Angabe „entkoffeiniert“ bei Röstkaffee nur bis 1 g Koffein je Kilogramm Trockenmasse, bei löslichem Kaffee bis 3 g (Kaffeeverordnung). Das Wort ist vorgeschrieben. Bezeichnungen wie „decaf“ oder „koffeinfrei“ sind laut LGL nicht zulässig.

Ganz ohne Koffein ist der Kaffee also nicht. Das Untersuchungsamt Karlsruhe rechnete für entkoffeinierten Kaffee im Mittel 25 mg Koffein je Liter, für normalen Kaffee 584 mg (CVUA Karlsruhe). Eine Tasse Filterkaffee mit 200 ml enthält laut BfR rund 90 mg. In US-Coffeeshops fand eine Studie der University of Florida 2006 in entkoffeiniertem Kaffee bis zu 13,9 mg je Portion von knapp einem halben Liter (McCusker und andere 2006).
Was die Lebensmittelüberwachung fand
Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) untersuchte von Januar 2022 bis Oktober 2025 insgesamt 326 Proben aus dem Handel, ganze und gemahlene Bohnen sowie löslichen Kaffee. Nur drei Proben gemahlener Kaffee lagen beim Koffein deutlich über dem Höchstgehalt. Beanstandet wurden insgesamt 23 Proben, meist wegen der Kennzeichnung, etwa weil die Angabe „entkoffeiniert“ nicht im gleichen Sichtfeld wie die Bezeichnung stand (LGL Bayern). Einen eigenen Test von Stiftung Warentest oder Öko-Test zu entkoffeiniertem Kaffee haben wir nicht gefunden.

Was über Dichlormethan bekannt ist
Die EU-Richtlinie über Extraktionslösungsmittel erlaubt Dichlormethan zum Entkoffeinieren mit höchstens 2 mg je Kilogramm geröstetem Kaffee (Richtlinie 2009/32/EG). In den USA liegt die Grenze bei 10 ppm. Die Internationale Agentur für Krebsforschung stufte den Stoff 2014 als wahrscheinlich krebserregend ein, die Meldung bezieht sich nicht auf Lebensmittel (IARC).
In den USA beantragten Umweltverbände im Dezember 2023, Dichlormethan für Lebensmittel zu streichen. Die FDA öffnete im Mai 2026 die Frist für Stellungnahmen erneut (Federal Register). Eine Entscheidung haben wir bis Anfang Oktober 2026 nicht gefunden.
Rückstände im Handel hat eine Studie gemessen, deren Autoren aus der Kaffeebranche kommen, darunter Entkoffeinierer und der Kaffeeverband. In 34 Proben aus sechs EU-Ländern lag der Median bei 0,059 mg je Kilogramm. Ins Getränk gingen beim Filterkaffee im Mittel 24,7 % davon über, bei der French Press 41,9 % (Fabian und andere 2024).
Entkoffeinierter Kaffee in der Schwangerschaft
EFSA und BfR halten bis zu 200 mg Koffein am Tag, über den Tag verteilt und aus allen Quellen, für den Fötus und das gestillte Kind für unbedenklich (BfR). Über längere Zeit erhöhte Mengen können laut BfR das Wachstum des Fötus vermindern. Das LGL nennt entkoffeinierten Kaffee eine Alternative für Schwangere und Stillende.
Woher entkoffeinierter Kaffee kommt
Das erste deutsche Patent stammt von der Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft in Bremen, patentiert ab dem 28. Oktober 1905. Die Bohnen wurden mit Dampf und Gasen wie Ammoniak behandelt und mit Benzol extrahiert. Ein Santoskaffee hatte danach statt 1,40 nur noch 0,12 % Koffein (DE 198279). Ludwig Roselius, der die Gesellschaft gegründet hatte, steht im US-Patent als einer von drei Erfindern. Benzol gehört heute nicht mehr zu den zugelassenen Lösungsmitteln.

Weiterlesen
Wie du Bohnen frisch hältst, steht in Wie lagerst du Kaffeebohnen richtig?. Wie viel Koffein in kalt gebrühtem Kaffee steckt, erklärt Wie machst du Cold Brew selbst?. Was beim Rösten passiert, liest du in Die Kunst des Kaffeeröstens. Tassen für den Abendkaffee findest du bei unseren Kaffeetassen.
Quellen
- Deutscher Kaffeeverband: Entkoffeinieren, abgerufen 02.10.2026
- Max-Planck-Gesellschaft: Coffee withdrawal, 13.08.2014
- Verbraucherzentrale Bayern: Wie entsteht koffeinfreier Kaffee?, 21.10.2021
- Bundesministerium der Justiz: Verordnung über Kaffee, Kaffee- und Zichorien-Extrakte, Stand 05.07.2017
- Amtsblatt der EU: Richtlinie 2009/32/EG über Extraktionslösungsmittel, konsolidierte Fassung, 16.02.2023
- LGL Bayern: Entkoffeinierter Kaffee: Ist wirklich drin was draufsteht?, 17.11.2025
- CVUA Karlsruhe: Entwicklung des Koffeingehaltes in Cola, Energy-Drinks und Energy-Shots, 02.06.2015
- Journal of Analytical Toxicology, McCusker und andere: Caffeine content of decaffeinated coffee, Oktober 2006
- IARC: IARC Monographs Volume 110: evaluation of five chemicals, 11.07.2014
- Federal Register: Food Additive Petition From Environmental Defense Fund; Reopening of the Comment Period, 28.05.2026
- MDPI Proceedings, Fabian und andere: Mass Transfer of Dichloromethane from EU Retail Roast and Ground Decaffeinated Coffee into Prepared Beverages, 14.10.2024
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Fragen und Antworten zu Koffein und koffeinhaltigen Lebensmitteln, 05.01.2026
- DPMA DEPATISnet: Patentschrift Nr. 198279, Verfahren zur Gewinnung kaffeïnfreier Kaffeebohnen, 09.05.1908
- Swiss Water: Our Coffee Decaffeination Process, Herstellerangabe, abgerufen 02.10.2026

