Die beiden Wörter klingen fast gleich, und im Regal sehen die Tassen oft ähnlich aus. Der Unterschied steckt unter der Glasur, im sogenannten Scherben. So heißt das gebrannte Material, aus dem die Tasse besteht. Bei Steingut bleibt er porös, bei Steinzeug wird er dicht. Was das für Spülmaschine, Haltbarkeit und deinen Kaffee bedeutet, liest du hier.
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Der Unterschied liegt im Scherben
Fachleute teilen Keramik danach ein, ob der Scherben nach dem Brand porös bleibt oder dicht wird. Porös bleibt er beim Irdengut, dazu gehört Steingut. Dicht wird er beim Sinterzeug, dazu gehören Steinzeug und Porzellan, so steht es in der Keramik-Datenbank der Universität Bamberg. Sintern heißt, dass die Teilchen im Feuer so eng zusammenwachsen, dass kaum Poren übrig bleiben.
Woraus Ton besteht und was beim Brennen mit ihm passiert, erklärt unser Beitrag Was ist Ton?.
Wie heiß gebrannt wird
- Steingut bekommt laut Spektrum Lexikon der Chemie einen ersten Brand bei 1100 bis 1300 °C und danach einen Glasurbrand bei 950 bis 1000 °C. Der Scherben bleibt porös, erst die Glasur dichtet ihn ab.
- Steinzeug wird bei etwa 1200 bis 1300 °C dicht gebrannt und ist auch ohne Glasur wasserdicht (Spektrum).
- Porzellan wird mit etwa 1450 °C am heißesten gebrannt (Verbraucherzentrale).

Die verbreitete Faustregel „Steingut wird kälter gebrannt“ stimmt deshalb nur zum Teil. Ob der Scherben dicht wird, hängt vor allem von der Tonmasse ab.
Feste Zahlen zur Wasseraufnahme gibt es nur für Fliesen, wo sie nach Norm geprüft wird. Dort nimmt Steingut mehr als 10 Prozent Wasser auf, Steinzeug 0,5 bis 3 Prozent (BauNetz Wissen). Für Tassen gibt es keine solche Grenze.
Was das für deine Tasse bedeutet
- Die Glasur ist bei Steingut unverzichtbar. Ohne sie würde der poröse Scherben Flüssigkeit aufnehmen. Deshalb ist Steingut oft rundum glasiert.
- Haarrisse: Sie entstehen, wenn sich Glasur und Scherben bei Wärme unterschiedlich stark ausdehnen (wissen.de). Bei Steingut kann durch solche Risse Flüssigkeit in den Scherben gelangen. Bei Steinzeug liegt unter der Glasur ein dichter Scherben.
- Festigkeit: Steinzeug ist durch das Sintern fester als Steingut. Stoßempfindlicher als Porzellan sind beide (wissen.de).
- Spülmaschine und Mikrowelle: Verlass dich auf die Kennzeichnung des Herstellers. Die Verbraucherzentrale nennt Porzellan und Steingut grundsätzlich geeignet, Gold- und Metalldekor gehört nicht in die Mikrowelle. Je nach Symbol sind 125 bis 1000 Spülgänge geprüft, erklärt der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel.
- Warmhalten: Messungen, die Kaffee in Tassen aus Steingut und Steinzeug vergleichen, haben wir nicht gefunden. Keramik leitet Wärme allgemein schlecht, das gilt für beide.
So erkennst du, was du in der Hand hast
Am einfachsten ist eine unglasierte Stelle, meist der Standring unten. Gib einen Tropfen Wasser darauf: Bei Steingut zieht er sichtbar ein, bei Steinzeug bleibt er stehen. Diese Probe kennt man von Fliesen. Sie klappt nur, wenn die Stelle wirklich unglasiert ist, und viele Steingut-Tassen sind rundum glasiert.

Viele Ratgeber sagen außerdem, Steingut klinge beim Anschlagen dumpf und Steinzeug hell. Verlässlich ist das nicht, denn Wandstärke und Form bestimmen den Ton mit. Die Universität Bamberg nennt den Klang einen eher unsicheren Hinweis. Am sichersten ist die Angabe des Herstellers.
Und das Blei in der Glasur?
Für Keramik, die mit Lebensmitteln in Berührung kommt, gelten in der EU seit 1984 Höchstwerte dafür, wie viel Blei und Cadmium sie abgeben darf. Für Tassen sind es 4,0 mg Blei und 0,3 mg Cadmium je Liter Prüfflüssigkeit. In Deutschland stehen die Werte in Anlage 6 der Bedarfsgegenständeverordnung.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat 2020 deutlich niedrigere Werte empfohlen. Die EU arbeitet seit Jahren an einer Überarbeitung, beschlossen ist bisher nichts. Die Niederlande haben die Werte deshalb im Mai 2026 national gesenkt, für Tassen auf 30 Mikrogramm Blei und 20 Mikrogramm Cadmium je Liter.
Porzellan und Steinzeug geben laut Verbraucherzentrale wegen der hohen Brenntemperatur in der Regel weniger Schwermetalle ab, sofern das Dekor keine enthält.
Was heißt das für deine nächste Tasse?
Für eine Tasse, die jeden Tag benutzt, gespült und auch mal angestoßen wird, spricht vieles für Steinzeug: Der Scherben ist dicht und fester. Eine Tasse aus Steingut hält ebenfalls lange, solange die Glasur heil bleibt. Zeigt sie Risse, kann der Scherben Flüssigkeit aufnehmen.
Wie du Keramiktassen pflegst, steht auf unserer Seite Pflege und Reinigung. Wie sich Keramik über Jahrtausende entwickelt hat, erzählt die Geschichte der Keramik. Tassen aus Steinzeug findest du bei unseren Cappuccinotassen.
Quellen
- Spektrum Lexikon der Chemie: Steingut, 1998
- Spektrum Lexikon der Chemie: Steinzeug, 1998
- Universität Bamberg, BaLISminK: Porosität und Härte, abgerufen 29.09.2026
- Verbraucherzentrale: Keramik im Lebensmittelbereich: Das sind die Vor- und Nachteile, 05.08.2026
- BauNetz Wissen: Steingut, abgerufen 29.09.2026
- wissen.de: Glasur (Werkstoffkunde), ohne Datum
- wissen.de: Keramik: Worin unterscheiden sich Steinzeug und Steingut?, ohne Datum
- Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel: „Spülmaschinenbeständig“ oder „spülmaschinenfest“?, Juni 2019
- gesetze-im-internet.de: Bedarfsgegenständeverordnung, Anlage 6, zuletzt geändert 19.12.2025
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Geschirr aus Keramik: BfR empfiehlt niedrigere Freisetzungsmengen für Blei und Cadmium, 21.09.2020
- Europäische Kommission: Revision of EU rules on food contact materials, abgerufen 29.09.2026
- Staatscourant der Niederlande: Regeling van de Minister van VWS, Staatscourant 2026, 16308, 04.05.2026

