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Teekanne aus Ton: glasiert oder unglasiert?

Veröffentlicht am: 10.02.2026
Japanische Teekanne aus unglasiertem, rotbraunem Ton mit Seitengriff neben zwei Teeschalen mit grünem Tee

Teekannen aus Ton gibt es glasiert und unglasiert. Hier liest du, was der Unterschied für den Tee bedeutet, was hinter der Patina steckt, woher die japanische Kyusu kommt, welche Regeln für Blei und Cadmium gelten und wie du eine unglasierte Kanne pflegst.

Die Bilder in diesem Beitrag wurden mit KI erstellt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Steinzeug wird so heiß gebrannt, dass es auch ohne Glasur dicht ist. Steingut braucht eine Glasur.
  • Die Patina in benutzten Tonkannen ist eine Schicht aus Fettstoffen des Tees.
  • Für Teekannen aus Keramik gilt in der EU ein Grenzwert von 4,0 mg Blei je Liter, das BfR empfiehlt deutlich weniger.
  • Unglasierte Kannen werden in Tokoname ohne Spülmittel gereinigt.

Was unglasierter Ton mit dem Tee macht

Steinzeug wird bei 1.100 bis 1.300 °C gebrannt und dadurch wasserdicht, es muss nicht glasiert werden. Steingut wird bei 900 bis 1.150 °C gebrannt und braucht eine Glasur, um wasserfest zu sein (Verbraucherzentrale).

Glasierte Teekanne aus Steinzeug in Sandfarbe mit Bambusgriff
KI-generiertes Bild

Wie porös Ton nach dem Brand ist, lässt sich messen. An historischen Scherben aus Yixing fanden Forscher eine Porosität von 8,40 bis 13,21 %, bei weißem Porzellan 2,37 bis 2,62 % (Wu und andere 2013). Die Autoren vermuten, die porösere Innenschicht könne Bestandteile des Tees aufnehmen. Gemessen haben sie das nicht.

Was hinter der Patina steckt

Wer eine unglasierte Kanne lange benutzt, sieht innen einen Glanz. Ein Team aus Taiwan untersuchte Kannen, in denen drei Jahre lang Oolong zubereitet wurde. Die Schicht bestand aus Fettsäuren, vor allem Palmitin- und Stearinsäure, und stammte überwiegend aus dem Dampf des Aufgusses (Chung und andere 2015). Ob sie den Geschmack verändert, wurde nicht geprüft.

Schmeckt Tee aus Ton anders?

Eine Studie aus Taiwan bereitete Oolong in sechs Kannen zu: zwei aus chinesischem Ton, dazu Edelstahl, Keramik, Glas und Kunststoff. Aufgüsse aus den Tonkannen enthielten mehr Catechine und weniger Koffein als die aus Keramik, Glas und Kunststoff (Liao und andere 2018). Dass der Tee dadurch weniger bitter schmeckt, vermuten die Autoren nur. Im japanischen Tokoname heißt es, das Eisen im Ton nehme dem Tee die Bitterkeit. Eine Studie dazu haben wir nicht gefunden.

Viele nehmen für eine unglasierte Kanne nur eine Teesorte. Das ist verbreitete Praxis, einen Beleg dafür haben wir nicht gefunden.

Die Kyusu aus Tokoname

Die japanische Kyusu hat einen seitlichen Griff und ein eingebautes Sieb vor dem Ausguss. Viele kommen aus Tokoname, einem der sechs alten Brennorte Japans mit Anfängen um 1100. Dort wird traditionell ohne Glasur gebrannt, der eisenreiche Ton wird schon bei vergleichsweise niedriger Temperatur dicht (Six Ancient Kilns). Die roten Kannen entstanden nach dem Vorbild der Yixing-Ware und wurden 1854 von dem Töpfer Sugie Jumondo vollendet.

Japanische Teekanne aus unglasiertem, rotbraunem Ton mit seitlichem Griff
KI-generiertes Bild

Der Griff sitzt laut dem Tourismusverband von Tokoname seitlich, weil Tee in der Edo-Zeit auf dem Feuer gekocht wurde und der Griff nicht heiß werden sollte (Tokoname). Seit dem 2. Juni 1976 ist Tokoname-yaki in Japan als traditionelles Kunsthandwerk ausgewiesen (Traditional Craft Industries Promotion Association).

Die Herstellung der Zisha-Keramik aus Yixing steht seit 2006 auf der ersten nationalen Liste des immateriellen Kulturerbes Chinas (Staatsrat der VR China). Mehr dazu steht in unserem Artikel über chinesisches Teegeschirr.

Kleine unglasierte Teekanne aus violettbraunem Ton neben zwei Teeschalen auf einer Bambusmatte
KI-generiertes Bild

Blei und Cadmium

Die EU-Richtlinie über Keramik im Lebensmittelkontakt gilt für glasierte und unglasierte Ware. Für Kannen und Tassen erlaubt sie 4,0 mg Blei und 0,3 mg Cadmium je Liter, gemessen nach 24 Stunden mit verdünnter Essigsäure (Richtlinie 84/500/EWG). Händler müssen eine Konformitätserklärung vorhalten, im Onlinehandel mindestens auf der Website (CVUA Stuttgart).

Das BfR hält Werte für duldbar, die bis zu 70-fach bei Cadmium und 400-fach bei Blei darunter liegen (BfR 2020). Das CVUA Stuttgart prüfte 2022 zwanzig Proben, darunter Teekannen. Alle hielten die geltenden Grenzwerte ein, fünf lagen über den Empfehlungen des BfR (CVUA Stuttgart). Eine EU-Initiative zur Absenkung führt die Kommission seit dem 10. September 2026 als eingestellt, das Thema soll in die allgemeine Überarbeitung der Regeln für Lebensmittelkontaktmaterialien wandern. Belgien, die Niederlande und Luxemburg haben eigene, strengere Werte beschlossen.

Für unglasierte Ware aus Yixing gibt es zwei Messreihen aus China. Das Zentrum für Krankheitskontrolle in Peking fand bei 32 Proben Blei und Cadmium unter der Bestimmungsgrenze (Sun und andere 2024). Das Zentrum der Provinz Jiangsu untersuchte 130 Proben, Blei und Arsen wurden am häufigsten nachgewiesen. Die Autoren halten die Abgabe insgesamt für beherrschbar, sehen beim ersten Gebrauch mit sehr heißem Wasser aber ein vorübergehendes Risiko und empfehlen, neue Stücke vorher auszukochen (Wang und andere 2026).

So pflegst du eine unglasierte Kanne

Der Tourismusverband von Tokoname rät, die Kanne im Alltag ohne Spülmittel mit heißem Wasser zu reinigen, damit kein Geruch übergeht. Lass Wasser durch den Ausguss laufen, damit die Blätter aus dem Sieb gespült werden. Ein verstopftes Sieb säuberst du mit einer weichen Zahnbürste. Zum Trocknen nimmst du den Deckel ab und stellst die Kanne mit dem Ausguss nach unten.

Blick in eine geöffnete Teekanne auf das eingebaute, fein gelochte Tonsieb
KI-generiertes Bild

Weiterlesen

Wie Yixing-Kannen in der chinesischen Teekultur verwendet werden, steht in Chinesisches Teegeschirr. Was eine Glasur enthält, erklärt Ist Glasur giftig?. Den Unterschied der Scherben liest du in Steinzeug oder Steingut. Handgemachte Tassen für deinen Tee findest du bei unseren Teetassen.

Quellen