In Marokko heißt er einfach Atay: grüner Tee aus China, frische Minze und viel Zucker, serviert in kleinen Gläsern. Hier liest du, wie er zubereitet wird, wie der Tee nach Marokko kam und welche Rolle das Geschirr spielt.
Die Bilder in diesem Beitrag wurden mit KI erstellt.
Die Zutaten
Für Atay nimmt man chinesischen Grüntee, meist Gunpowder. Die Blätter sind zu kleinen Kügelchen gerollt, sie kommen vor allem aus der chinesischen Provinz Zhejiang. Dazu kommen frische Minze und reichlich Zucker. Na’na‘ heißt auf Arabisch Minze und meint meist die Grüne Minze. Als beste gilt die Minze aus Meknes.

Überall gleich ist der Tee nicht. Im Winter kommt oft Wermut statt Minze in die Kanne, im Süden nimmt man kaum Minze, und in Casablanca und in der Sahara trinkt man auch andere grüne Sorten (Cornwell, Georgetown University).
Schritt für Schritt
- Spülen: Die Teeblätter kommen in die Kanne und werden kurz mit kochendem Wasser übergossen. Dieser erste Aufguss wird weggegossen, er nimmt Staub und etwas Bitterkeit mit.
- Aufgießen: Minze und Zucker dazugeben, mit kochendem Wasser auffüllen. Viele Rezepte heben vorher einen ersten kurzen Aufguss als „Geist“ des Tees auf und geben ihn nach dem Spülen zurück.
- Mischen: Tee ins Glas gießen und zurück in die Kanne, so löst sich der Zucker.
- Aus der Höhe gießen: Zum Servieren wird aus großer Höhe ins Glas gegossen, bis sich eine weiße Schaumkrone bildet (Atlas Obscura).
Die drei Gläser
Eine in Marokko überlieferte Redensart deutet die drei Gläser, die man trinkt. Sie ist in verschiedenen Fassungen im Umlauf, etwa: bitter wie das Leben, stark wie die Liebe, sanft wie der Tod. Tee wird zu jeder Tageszeit angeboten.
Wie der Tee nach Marokko kam
Der erste belegte Tee kam um 1700 an den Hof: Die englische Königin Anne schickte Sultan Moulay Ismail eine Kiste. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieb Tee teuer und ein Getränk der Oberschicht.
Oft wird erzählt, britische Händler hätten ihren Tee im Krimkrieg (1853 bis 1856) nach Tanger und Mogador umgeleitet, weil sie ihn nicht mehr in die Ostsee liefern konnten. Das ist eine Legende, einen Beleg dafür nennt kein Autor. Belegt ist der britisch-marokkanische Handelsvertrag von 1856 mit niedrigen Zöllen. Danach stiegen die Einfuhren von Tee und Zucker bis 1912 steil an, vor allem über britische Händler (Cornwell).
Kanne, Tablett und Gläser
Serviert wird aus einer bauchigen Metallkanne, oft versilberte Ware aus Manchester, auf einem Tablett und in kleinen, verzierten Gläsern (Museum With No Frontiers). Der Tee auf dem Tablett galt als Zeichen von Gastfreundschaft, Ehre und Großzügigkeit und wurde später zu einem Teil der marokkanischen Identität.

Zur Minze selbst: Eine Monografie der Europäischen Arzneimittel-Agentur gibt es nur für die Pfefferminze, nicht für die Grüne Minze (EMA).
Weiterlesen
Wie der Tee aus China in die Welt kam, erzählt Tee: Eine Reise durch fünftausend Jahre Geschichte und Genuss. Eine andere Teekultur mit Zucker im Mund beschreibt Wie wird persischer Tee zubereitet?. Frische Minze im Tee gibt es auch in unserem Beitrag zum Pfefferminztee. Passende Tassen findest du bei unseren Teetassen.
Quellen
- Georgetown University, Graham H. Cornwell: Sweetening the Pot: A History of Tea and Sugar in Morocco, 1850 bis 1960 (Dissertation, Eintrag im Repositorium), 22.06.2018
- Museum With No Frontiers: Metal teapot, Tea Museum Essaouira, abgerufen 30.09.2026
- Atlas Obscura: Pouring Moroccan Mint Tea, ohne Datum
- Europäische Arzneimittel-Agentur: Menthae piperitae folium, 16.03.2026

