Im Iran gehört Tee zu jedem Besuch und zu jeder Tageszeit. Schon in Haushalten des 19. Jahrhunderts wurde der Samowar den ganzen Tag mit Holzkohle heiß gehalten, und jeder Gast bekam Tee (Encyclopaedia Iranica). Hier liest du, wie persischer Tee zubereitet und getrunken wird, welche Varianten es gibt und woher der Tee im Iran kommt.
Die Bilder in diesem Beitrag wurden mit KI erstellt.
Schritt für Schritt
- Wasser erhitzen: in einem Wasserkessel oder in einem Samowar.
- Tee aufgießen: Die Teeblätter kommen in eine kleine Kanne, die Qouri, und werden mit wenig heißem Wasser übergossen.
- Ziehen lassen: Die Kanne steht oben auf dem Kessel oder dem Samowar und bleibt so heiß. Eine feste Ziehzeit gibt es nicht, in Rezepten sind es meist 5 bis 10 Minuten, oft mit einem Tuch über der Kanne.
- Verdünnen: Ins Glas kommt etwas von dem starken Tee, aufgefüllt wird mit heißem Wasser. Wie kräftig, beschreibt man mit der Farbe: „por-rang“ heißt kräftig, „kam-rang“ hell.

Der Samowar war vor allem im Norden des Landes verbreitet, wo der russische Einfluss stark war (Encyclopaedia Iranica). Heute stehen in vielen Küchen Kessel und Kännchen.
Wie man persischen Tee trinkt
Getrunken wird aus einem kleinen, tulpenförmigen Glas, dem Estekan, auf einer Untertasse. Der Name kommt vom russischen „stakan“. Wasser trinkt man aus einem größeren Glas.

Viele nehmen ein hartes Stück Zucker, den Ghand, in den Mund und trinken den Tee darüber. Bei einer Umfrage 1970 bevorzugten 82 Prozent diese Art. Dafür schlug man harte Stücke von einem Zuckerhut ab, weil Würfelzucker aus der Fabrik im Mund zu schnell schmilzt. In den Provinzen am Kaspischen Meer und in Kurdistan kam der Zucker eher ins Glas. Statt Zucker gibt es auch Süßigkeiten oder gezuckerte Nüsse. Weit verbreitet ist heute Nabat, Kandis, der oft mit Safran gefärbt ist.
Wie viel Tee getrunken wird, zeigt dieselbe Umfrage: Im Schnitt waren es 1970 acht bis neun Gläser pro Person und Tag.
Mit Limette, Kardamom oder Safran
- Getrocknete Limette: In Gilan und Mazandaran zerdrückt man eine getrocknete Limette im Glas, in der Provinz Fars kommt frischer Limettensaft dazu (Encyclopaedia Iranica).
- Kardamom: Viele geben eine angedrückte Kardamomkapsel in die Kanne. In der Fachliteratur ist Tee mit Kardamom vor allem für Afghanistan beschrieben.
- Safran, Rosenknospen, Zimt: Einige Safranfäden, getrocknete Rosenknospen oder ein Stück Zimt in der Kanne sind verbreitete Varianten.
- Rosenwasser: Das kennt man im Iran vor allem aus Sorbets und Süßspeisen (Encyclopaedia Iranica).

Das Teehaus heißt Kaffeehaus
Im Lauf des 19. Jahrhunderts löste Tee im Iran den Kaffee als Alltagsgetränk ab. Das Teehaus heißt trotzdem meist Qahwe-khane, also Kaffeehaus, gleichbedeutend mit Chai-khane. Teehäuser waren Treffpunkte vor allem von Männern. Dort wurde aus dem Nationalepos Schahname vorgetragen, Geschichtenerzähler traten auf, und an den Wänden hingen Bilder der eigenen Kaffeehausmalerei. Mit dem Radio ab 1940 und später dem Fernsehen wurde das Erzählen seltener (Encyclopaedia Iranica).

Eine Beschreibung von 1921 nennt als Ausstattung eines Teehauses einen großen Samowar aus Messing, kleine Teegläser und bunte Untertassen.
Woher der Tee im Iran kommt
Angebaut wird Tee im Iran seit Anfang des 20. Jahrhunderts. 1902 gelang eine erste Pflanzung bei Lahidschan, die Plantagen liegen bis heute fast alle in den Provinzen am Kaspischen Meer. Den eigenen Bedarf deckt das nicht: 2022 ernteten iranische Bauern rund 31.000 Tonnen Schwarztee, verbraucht wurden rund 85.000 Tonnen (FAO). Etwa zwei Drittel kommen also aus dem Ausland. Das hat Tradition: Schon 1895 kamen bis zu zwei Millionen Pfund Schwarztee aus Indien ins Land.
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Wie der Tee aus China in den Iran und die Türkei kam, erzählt Tee: Eine Reise durch fünftausend Jahre Geschichte und Genuss. Tee mit Kardamom und die Kultur des Nachbarlandes beschreibt Afghanischer Tee: Eine Reise der Aromen und sozialen Verbundenheit. Eine ganz andere Teezeremonie findest du in Wie funktioniert die ostfriesische Teezeremonie?. Passende Tassen gibt es bei unseren Teetassen.
Quellen
- Encyclopaedia Iranica: Tea (Čāy), 15.12.1990, aktualisiert 30.05.2013
- Encyclopaedia Iranica: Coffeehouse (Qahva-ḵāna), 15.12.1992, aktualisiert 08.09.2016
- Encyclopaedia Iranica: Qajar Dynasty xii. The Qajar-Period Household, 20.07.2009, aktualisiert 15.12.2014
- Encyclopaedia Iranica: Golāb, 15.12.2001, aktualisiert 03.06.2013
- FAO: Current Global Market Situation and Medium-Term Outlook, Januar 2024

