Glasuren können Blei und Cadmium enthalten. Wie viel davon in Kaffee, Tee oder Saft übergehen darf, ist gesetzlich geregelt. Hier liest du, welche Grenzwerte für Tassen gelten, was die Lebensmittelüberwachung findet und worauf du achten kannst.
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Warum Blei und Cadmium in Glasuren stecken
Bleioxid ist in Glasuren ein Flussmittel. Es macht die Glasur leichter schmelzbar, klarer und glänzender und erlaubt Brenntemperaturen unter 1000 °C. Cadmiumverbindungen färben Glasuren rot und gelb (Verbraucherzentrale; CVUA-OWL).

Wie viel davon übergeht, hängt von der Glasur ab, von der Brenntemperatur, davon, ob ein Dekor auf oder unter der Glasur liegt, von der Säure des Lebensmittels und davon, wie lange es in der Tasse bleibt (BfR).
Was das Gesetz erlaubt
Die Höchstwerte stehen in der EU-Richtlinie 84/500/EWG von 1984, die 2005 nur bei Konformitätserklärung und Analysemethode geändert wurde (EUR-Lex). In Deutschland stehen dieselben Werte in der Bedarfsgegenständeverordnung (Anlage 6).

| Kategorie | Blei | Cadmium |
|---|---|---|
| Flach, bis 25 mm tief, etwa Teller | 0,8 mg/dm² | 0,07 mg/dm² |
| Füllbar, über 25 mm tief, etwa Tassen und Becher | 4,0 mg/l | 0,3 mg/l |
| Koch- und Backgeräte, Behälter über 3 Liter | 1,5 mg/l | 0,1 mg/l |
Geprüft wird mit 4-prozentiger Essigsäure, 24 Stunden lang bei 22 °C. Für den Trinkrand gibt es keinen EU-Grenzwert. Die Überwachung nutzte dafür 2014 ersatzweise die Norm DIN 51032.
Was das BfR empfiehlt
Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt niedrigere Werte. 2020 hat es Mengen abgeleitet, bei denen es keine gesundheitlichen Risiken erwartet. Für Teller liegen sie bis zum 400-Fachen (Blei) und 70-Fachen (Cadmium) unter den Grenzwerten. Aus Keramik sollte nach Ansicht des BfR kein Blei und kein Cadmium nachweisbar sein. Für Blei gibt es nach heutigem Wissen keine Schwelle, unter der es ohne Wirkung bleibt, bei Kindern ist das Nervensystem am empfindlichsten. Cadmium schädigt die Nieren und gilt als krebserzeugend (BfR).
Die EU-Kommission hat 2025 erklärt, sie sehe die Notwendigkeit, die Werte deutlich zu senken (Europäisches Parlament). Ihre eigene Initiative dazu steht seit dem 10.09.2026 auf „Abandoned“ (Have your say), das Thema soll in der allgemeinen Überarbeitung der Regeln für Lebensmittelkontakt weiterlaufen (EU-Kommission). Beschlossen ist nichts. Die Niederlande haben seit dem 29.05.2026 eigene, niedrigere Werte, für Tassen 30 µg Blei und 20 µg Cadmium je Liter (Staatscourant). In Deutschland gelten sie nicht.
Was die Überwachung findet
- Bundesweites Monitoring 2014: 12 von 525 Untersuchungen lagen über den Höchstmengen. Bei füllbarer Keramik wie Tassen war es keine von rund 200 Proben. Bei Tellern lagen 5 von 125 beim Blei darüber (BVL).
- Trinkränder 2014: 2 von 181 beim Blei und 5 von 180 beim Cadmium über dem Wert der Norm.
- CVUA Stuttgart 2022: 20 Proben, darunter Kindergeschirr, Becher und Teekannen. Alle hielten die gesetzlichen Werte ein, 5 lagen über den Werten des BfR (CVUA Stuttgart).
- Stark dekorierte Teller 2016 und 2017: Von 42 gezielt ausgewählten Tellern, 35 davon für Kinder, lagen 7 über dem Grenzwert für Cadmium. Diese Auswahl ist nicht repräsentativ.
Worauf du achten kannst
Keramik für Lebensmittel darf gewerbsmäßig nur mit einer schriftlichen Konformitätserklärung verkauft werden, ausgestellt vom Hersteller oder vom Einführer in die EU (Bedarfsgegenständeverordnung). Im Laden muss sie vorliegen, im Onlinehandel mindestens abrufbar sein (BVL). Die Verbraucherzentrale rät, beim Kauf danach zu fragen.
Das Symbol mit Glas und Gabel sagt nur, dass ein Gegenstand für Lebensmittel bestimmt ist. Pflicht ist es nicht, wenn das ohnehin klar ist (Verbraucherzentrale).
Säure löst mehr aus der Glasur. Die Verbraucherzentrale rät, glasiertes oder dekoriertes Geschirr nicht für saure Speisen und Fruchtsäfte zu nutzen, solange der Hersteller keine schwermetallfreie Glasur zusichert, und nichts lange darin aufzubewahren. Bunte Schalen und Krüge aus dem Urlaub nutzt du laut Verbraucherzentrale besser zur Dekoration, weil die Glasur meist unbekannt ist. Porzellan und Steinzeug gelten wegen der hohen Brenntemperatur in der Regel als unbedenklicher, außer ein Dekor auf der Glasur enthält Schwermetalle.

Aussagen deutscher Behörden zu Teststäbchen für zu Hause haben wir nicht gefunden.
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Quellen
- EUR-Lex: Richtlinie 84/500/EWG über Keramikgegenstände, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, konsolidierte Fassung, 20.05.2005
- gesetze-im-internet.de: Bedarfsgegenständeverordnung, Anlage 6 und § 10, Stand 19.12.2025
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Geschirr aus Keramik: BfR empfiehlt niedrigere Freisetzungsmengen für Blei und Cadmium, 21.09.2020
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: Berichte zur Lebensmittelsicherheit 2014, Monitoring, 2016
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit: ALS-Stellungnahme 2017/16, Konformitätserklärungen bei Keramik, 27.03.2017
- CVUA Stuttgart: Wie viel Blei steckt eigentlich in einer Keramiktasse?, 05.09.2023
- CVUA-OWL: Keramik, Glas, Emaile, abgerufen 30.09.2026
- Verbraucherzentrale: Keramik im Lebensmittelbereich, 05.08.2026
- Verbraucherzentrale: Symbole auf Küchenutensilien, 03.11.2025
- Europäisches Parlament: Antwort der Kommission auf die Anfrage E-000380/2025, 29.04.2025
- Europäische Kommission: Revision of EU Rules on Food Contact Materials, abgerufen 30.09.2026
- Europäische Kommission: Food safety: heavy metals in ceramic, glass and enameled table and kitchenware, Stand 10.09.2026
- Staatscourant Niederlande: Regeling van de Minister van VWS, Staatscourant 2026, 16308, 04.05.2026

