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Wie wird eine Keramiktasse hergestellt?

Veröffentlicht am: 09.30.2026
Drei Tassen auf einem Werktisch: ungebrannt, nach dem ersten Brand und glasiert, daneben eine Ränderscheibe

Zwischen einem Klumpen Ton und einer Tasse im Schrank liegen viele Arbeitsschritte und zwei Brände. Hier liest du, wie eine Keramiktasse entsteht, worin sich Werkstatt und Industrie unterscheiden und was unterwegs schiefgehen kann.

Die Bilder in diesem Beitrag wurden mit KI erstellt.

Die Schritte im Überblick

  • Masse aufbereiten: Ton kneten oder Porzellanmasse lagern
  • Formen: an der Töpferscheibe drehen, in Gipsformen gießen oder maschinell formen
  • Garnieren: den Henkel ansetzen
  • Trocknen: langsam und gleichmäßig
  • Schrühbrand: der erste Brand
  • Glasieren: tauchen, spritzen oder pinseln
  • Glasurbrand: der zweite Brand

Die Masse vorbereiten

In der Werkstatt wird der Ton zuerst geknetet. Das macht ihn gleichmäßig weich und löst Schichtungen, die aus der Strangpresse stammen. Bleiben sie drin, entstehen daraus später Risse beim Trocknen oder im Brand. Gut geknetete Masse lässt sich auf der Scheibe auch leichter zentrieren (Digitalfire).

Tonblock mit Schneidedraht und geknetete Tonkugel
KI-generiertes Bild

In der Porzellanindustrie lagert die Masse als sogenannter Hubel teils mehrere Monate. Dieses Mauken macht sie besser formbar (Spektrum). Wie viel Wasser in der Masse steckt, hängt vom Verfahren ab: Porzellanmasse zum Drehen enthält 22 bis 26 Prozent, flüssiger Gießschlicker 32 bis 36 Prozent (Annaburger Porzellaneum).

Drehen, Gießen oder Rollern

In der Werkstatt wird eine Tasse an der Töpferscheibe gedreht oder in einer Gipsform gegossen. Beim Schlickerguss kommt die flüssige Masse in die Form. Der Gips saugt Wasser auf, an der Wand baut sich in etwa 20 Minuten eine Schicht auf, und der Rest wird wieder ausgegossen (Digitalfire).

Gipsformen für Tassen neben einem Krug mit Gießschlicker
KI-generiertes Bild

In der Industrie formen Maschinen, die in der Feinkeramik Roller heißen. Die Masse kommt in eine Gipsform, ein beheizter Rollerkopf senkt sich hinein und formt den Rohling. Solche Taktstraßen schaffen große Stückzahlen in kurzer Zeit. Gedreht oder gepresst wird in der Industrie, wo es technisch geht. Gegossen werden vor allem unrunde Teile wie Kannen (Annaburger Porzellaneum).

Dazwischen liegt die Manufaktur. In der Schauwerkstatt des Porzellan-Museums in Meißen wird die Grundform einer Tasse von Hand gedreht und danach in eine Gipsform gedrückt. Eine Tasse besteht dort aus bis zu fünf Einzelteilen (Porzellan-Museum Meissen).

Der Henkel

Henkel entstehen getrennt vom Becher und werden vor dem Trocknen mit flüssigem Schlicker angesetzt. Das heißt Garnieren (Spektrum). Ein Porzellanhersteller beschreibt, dass er Henkel gießt und von Hand angarniert. Daneben gibt es vollautomatische Becherstraßen, die Tassen samt Henkel fertigen (Herstellerangabe).

Trocknen

Beim Trocknen schrumpft die Tasse. Drehmassen schwinden dabei um etwa 6 bis 7 Prozent, Gießmassen teils um weniger als 2 Prozent (Digitalfire). Der Henkel trocknet schneller als der Becher, deshalb werden frische Tassen oft abgedeckt. Heikle Stücke trocknen manchmal wochenlang.

Der erste Brand: Schrühbrand

Der Schrühbrand liegt bei 800 bis 1000 °C (Spektrum). Zuerst verdampft die Restfeuchte, bei 500 bis 600 °C entweicht das Kristallwasser. Wer zu schnell aufheizt, riskiert, dass Stücke im Ofen gesprengt werden (Annaburger Porzellaneum). Danach ist der Scherben fest, aber noch porös, und saugt die Glasur an.

Glasieren

Eine Porzellanglasur besteht aus Quarz, Feldspat, wenig Kaolin und viel Flussmittel (Annaburger Porzellaneum). Glasuren enthalten etwas Ton, damit das Pulver im Wasser schwebt (Digitalfire).

Frisch glasierte Tasse mit blankem Standring neben einem Glasureimer
KI-generiertes Bild

Aufgetragen wird die Glasur durch Tauchen, von Hand oder maschinell, oder durch Spritzen (Spektrum). Pinselglasuren sind mit Gummizusätzen eigens streichfähig gemacht und brauchen zwei bis vier Schichten (Digitalfire). Den Standring wischt man glasurfrei, sonst schmilzt die Tasse auf der Ofenplatte fest.

Der zweite Brand: Glasurbrand

Im Glasurbrand schmilzt die Glasur und verbindet sich mit dem Scherben. Porzellan wird bei 1410 bis 1420 °C glattgebrannt (Spektrum). Glasur und Scherben müssen zusammenpassen: Dehnen sie sich bei Wärme unterschiedlich aus, drohen Haarrisse (Spektrum). Welche Temperaturen für Steinzeug und Steingut gelten, liest du in Ist Steinzeug oder Steingut besser für Tassen?.

Was schiefgehen kann

  • Trockenrisse: Sie entstehen, wenn Teile einer Tasse ungleich schnell trocknen. Typisch ist ein Rand, der dem Boden voraus ist. Dann reißt der Boden, oft in S-Form (Digitalfire).
  • Verzug: Er entsteht vor allem im Brand, wenn der Scherben kurz vor dem Dichtbrennen weich wird. Anfällig sind dünne Wände, überhängende Formen und zu heiße Brände. Porzellan ist am empfindlichsten (Digitalfire).
  • Abrollen: Die Glasur zieht sich zu Inseln zusammen und lässt kahle Stellen. Meist war der Auftrag zu dick oder die Glasur enthielt zu viel Ton und ist beim Trocknen gerissen. Staub ist fast nie die Ursache (Digitalfire).
  • Haarrisse: Glasur und Scherben dehnen sich unterschiedlich aus.
Tasse mit Trockenriss im Boden und Tasse mit abgerollter Glasur
KI-generiertes Bild

Wie lange dauert das?

Eine feste Dauer gibt es nicht. In der Industrie dauert der erste Porzellanbrand heute rund viereinhalb Stunden, im früheren Tunnelofen waren es 36 bis 40 Stunden (Annaburger Porzellaneum). Ein Beispielprogramm für einen Elektroofen in der Werkstatt heizt beim Schrühbrand knapp acht Stunden auf 1000 °C (Digitalfire). Der Glasurbrand auf 1204 °C dauert mit gesteuerter Abkühlung rund 14,5 Stunden (Digitalfire). Dazu kommt jeweils das Auskühlen und davor das Trocknen.

Weiterlesen

Woraus Ton besteht und warum er schwindet, erklärt Was ist Ton?. Wie Keramik über die Jahrtausende entstanden ist, erzählt Die komplette Geschichte der Keramik. Was Glasur und Scherben in der Spülmaschine aushalten, liest du in Dürfen getöpferte Tassen in die Spülmaschine und die Mikrowelle?. Tassen findest du bei unseren handgemachten Keramiktassen.

Quellen