Röstereien werben mit säurearmem oder magenschonendem Kaffee. Hier liest du, welche Säuren im Kaffee stecken, was die Röstung daran ändert, was Studien zum Magen zeigen, was in der Werbung erlaubt ist und welche Rolle die Zubereitung spielt.
Die Bilder in diesem Beitrag wurden mit KI erstellt.
Das Wichtigste in Kürze
- Kaffee enthält mehr als 80 Säuren, den größten Anteil haben die Chlorogensäuren.
- Je dunkler die Röstung, desto weniger Säure misst man im Kaffee.
- Kaffee regt laut BZfE die Magensäure an. Studien zu schonenderen Röstungen sind klein und uneinheitlich.
- Werbung mit „magenschonend“ ist für Röstkaffee nicht zugelassen.
Welche Säuren im Kaffee stecken
Laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) kommen im Kaffee mehr als 80 Säuren vor. Den größten Anteil haben die Chlorogensäuren. Ihr Gehalt sinkt von rund 10 % im Rohkaffee auf rund 3 % in mittelstark geröstetem Kaffee (LGL Bayern). Eine Auswertung von 129 Studien an der University of California in Davis, unterstützt von einem Hersteller von Cold-Brew-Geräten, fand bei Arabica: Zitronen- und Äpfelsäure nehmen beim Rösten ab, Essigsäure nimmt zu (Yeager und andere 2021).

pH-Wert oder titrierbare Säure
Der pH-Wert misst, wie viele Säureteilchen gerade gelöst sind. Die titrierbare Säure erfasst alle sauren Bestandteile (Cordoba und andere 2019). Wie sauer ein Kaffee schmeckt, hängt laut einer Studie aus Davis stärker an der titrierbaren Säure als am pH-Wert (Anokye-Bempah und andere 2024).
| Röstung | pH-Wert | Titrierbare Säure |
|---|---|---|
| hell | 4,80 | 4,82 |
| mittel | 5,04 | 3,55 |
| dunkel | 5,39 | 2,06 |
Die Werte stammen von heiß gebrühtem Kaffee aus derselben kolumbianischen Bohne, die titrierbare Säure in Millilitern Natronlauge je 40 ml Kaffee (Rao und andere 2020).
Was die Röstung ändert
Je dunkler geröstet, desto weniger Säure, das zeigen die Werte oben. Im Röster verläuft es nicht gerade: Die titrierbare Säure stieg in der Studie aus Davis bis zum ersten Knacken der Bohnen und fiel bis zum zweiten wieder auf den Ausgangswert. Unterstützt wurde diese Studie von einem Hersteller von Röstmaschinen. Laut LGL baut eine längere Röstung bei niedrigerer Temperatur mehr Chlorogensäure ab als eine kurze, heiße.

Beim Rösten entsteht aus Trigonellin der Stoff N-Methylpyridinium, kurz NMP. Je dunkler der Kaffee, desto mehr NMP enthält er (Brandl und andere 2024).
Was die Forschung zum Magen sagt
Das Bundeszentrum für Ernährung schreibt: Kaffee regt die Magensäureproduktion an. Viele Menschen vertragen entkoffeinierten oder dunkel gerösteten Kaffee besser (BZfE).

Einen einzelnen Auslöser gibt es nicht. Ein Forschungsprojekt der Universität Münster und der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie, begleitet vom Kaffeeverband, fand mehrere anregende Stoffe und mit NMP einen hemmenden. Die Wirkung ergab sich aus der Summe. Bei Kaffees aus dem Handel fand es keine größeren Unterschiede zwischen normalem Kaffee und Schonkaffee (FEI). Die Behandlung des Rohkaffees mit Dampf senkte reizende Stoffe und NMP zugleich, der Effekt blieb gering.
In einer Studie mit neun gesunden Freiwilligen regte eine dunkle Röstung mit mehr NMP die Magensäure weniger an als eine mittlere. Die Autoren halten weitere Studien für nötig (Rubach und andere 2014). In einer anderen Studie mit 30 kaffeeempfindlichen Personen lösten zwei unterschiedlich geröstete Kaffees Sodbrennen und Beschwerden ohne deutlichen Unterschied aus (DiBaise 2003).
Was Werbung sagen darf
Gesundheitsbezogene Angaben sind nach EU-Recht verboten, wenn sie nicht zugelassen sind (Verordnung (EG) Nr. 1924/2006). Für Röstkaffee wurden laut LGL keine beantragt oder genehmigt. Das Amt prüfte 45 Kaffees, oft mit Aussagen wie „magenschonend“, und beanstandete 14. Einen Zusammenhang zwischen Werbung und Chlorogensäuregehalt fand es nicht. Der Begriff Schonkaffee ist laut BZfE rechtlich nicht definiert.
Das Oberlandesgericht München sah 2020 in der Aussage, eine Langzeit-Trommelröstung mache Kaffee „sehr bekömmlich“, eine gesundheitsbezogene Angabe (Az. 29 W 1562/19, Bericht einer Kanzlei). Für Cold Brew beanstandete das LGL „säurearm“ und „magenfreundlich“, mehr dazu im Cold-Brew-Artikel.
Was die Zubereitung ändert
Ein Team der University of California in Davis brühte Filterkaffee mit 87, 90 und 93 °C bei gleicher Stärke. Die Temperatur veränderte den Geschmack kaum. Saurer schmeckte der Kaffee bei geringerer Extraktion, weil sich Säuren schnell lösen (Batali und andere 2020). Wer seinen Kaffee zu sauer findet, kann also feiner mahlen oder länger brühen. Der Röstgrad beeinflusste die Säure in einer weiteren Studie stärker als die Wassertemperatur.

Weiterlesen
Was kalt gebrühter Kaffee mit Säure zu tun hat, steht in Wie machst du Cold Brew selbst?. Was beim Rösten passiert, liest du in Die Kunst des Kaffeeröstens. Wie fein du mahlst, erklärt Welcher Mahlgrad für Espresso, Filter und French Press?. Tassen für deinen Kaffee findest du bei unseren Kaffeetassen.
Quellen
- LGL Bayern: Prüfung gesundheitsbezogener Angaben und Analyse des Chlorogensäuregehaltes bei gemahlenem Röstkaffee, 06.06.2019
- Critical Reviews in Food Science and Nutrition, Yeager und andere: Acids in coffee: A review of sensory measurements and meta-analysis of chemical composition, 23.09.2021
- Scientific Reports, Cordoba und andere: Effect of grinding, extraction time and type of coffee on the physicochemical and flavour characteristics of cold brew coffee, 11.06.2019
- Scientific Reports, Anokye-Bempah und andere: The effect of roast profiles on the dynamics of titratable acidity during coffee roasting, 08.04.2024
- Foods, Rao, Fuller und Grim: Physiochemical Characteristics of Hot and Cold Brew Coffee Chemistry, 09.07.2020
- Beverages, Brandl und andere: Validation of N-Methylpyridinium as a Feasible Biomarker for Roasted Coffee Intake, 23.01.2024
- Bundeszentrum für Ernährung: Kaffee: Gesundheit und Umwelt, 03.06.2026
- Forschungskreis der Ernährungsindustrie: Charakterisierung von Stimulantien der Magensäuresekretion und von magenprotektiven Verbindungen in Kaffee, Projekt 2004 bis 2006
- Molecular Nutrition and Food Research, Rubach und andere: A dark brown roast coffee blend is less effective at stimulating gastric acid secretion in healthy volunteers compared to a medium roast market blend, Juni 2014
- Digestive Diseases and Sciences, DiBaise: A randomized, double-blind comparison of two different coffee-roasting processes on development of heartburn and dyspepsia in coffee-sensitive individuals, April 2003
- Amtsblatt der EU: Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, 20.12.2006
- Weiß und Partner: Bewerbung einer Kaffee-Röstungsart mit „bekömmlich“ nun doch unzulässig?, 25.05.2021
- Scientific Reports, Batali, Ristenpart und Guinard: Brew temperature, at fixed brew strength and extraction, has little impact on the sensory profile of drip brew coffee, 05.10.2020

